Die Ausgrabung der artesischen Quelle
Vom 14. Oktober bis 22. November 2025 führte das Team des DEI unter Leitung von Dieter Vieweger und Katja Soennecken erneut eine Grabungskampagne auf dem Tall Zirāʿa durch. Das Ziel der archäologischen Untersuchung war es, die artesische Quelle zu erforschen. Diese schuf zunächst den Travertinberg selbst und später auf diesem über Jahrtausende beste Siedlungsmöglichkeiten, da sie das ganze Jahr über die Wasserversorgung der Siedlung sicherte. Der Wasserfluss war noch zu Beginn der Ausgrabungen des DEI/BAI zu bewundern. Allerdings ist dieser in den Jahren 2004/2005 durch die Bohrungen von Wasserbauingenieuren unterbunden worden. Noch einige Jahre stand im Quellteich Wasser, der nun aber seit 2011 ausgetrocknet ist. Nachdem 2021 geophysikalische Vorarbeiten (Bohrungen der Universität Kiel; Stefan Dreibrodt) an der Quelle durchgeführt wurden, begannen dort am 19. Oktober 2025 die Ausgrabungen (Areal IV). Mit einem Team von 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie ebenso vielen jordanischen Arbeitern wurde der Bereich zuerst gesäubert und dann innerhalb der verschiedenen Quadrate ergraben, um eine Stratigraphie zu erstellen. Weiterhin sollte die Einfassung der Quelle durch die verschiedenen Besiedlungsepochen des Talls (von der Frühen Bronzezeit bis in die Neuzeit) erforscht und die Tiefe des Quellteiches ermittelt werden. Außerdem wurde mit archäobotanischen Methoden das Klima und die Vegetation durch die Jahrhunderte und mit archäologischen Mitteln die Bebauung rings um die Quelle erkundet.
Unsere Untersuchungen zeigten, dass sich Menschen bereits in prähistorischer Zeit (Natufien und Neolithikum) auf dem Travertinplateau des Tall Zirāʿa um vermutlich zahlreiche natürliche Quellöffnungen im Travertin versammelten und zeitweise oder dauerhaft in der Nähe des Hügels lebten. Der Boden des Quellbeckens befand sich auf einer Höhe von -33,60 m unter dem Meeresspiegel (NN), während die Oberfläche von Areal IV bei -23,24 m NN liegt. Zu unserer völligen Überraschung fehlten im ausgegrabenen Quellteich wie auch bei den Bohrungen die beiden wichtigsten Besiedlungsphasen – die Bronze- und die Eisenzeit. Es wurden keine die Siedlung vom Wasserbecken begrenzenden Steinmauern zur Auskleidung der Quellwände, wie z.B. in Byblos, entdeckt. Die für die Bronze- und Eisenzeit typischen Trockenmauerkonstruktionen konnten im ausgegrabenen Gebiet nirgendwo identifiziert werden.
Die drei im Jahr 2022 entnommenen Bohrkerne hatten bereits gezeigt, dass die Sedimente aus der Quelle nur prähistorische Ablagerungen und „jüngeres“ Material aus der frührömischen bis zur Neuzeit enthielten. Auch hier wurden keinerlei Funde aus der Bronze- oder Eisenzeit nachgewiesen. Die Ausgrabungen ergaben, dass es sich beim Quellgebiet um eine große, ovale natürliche Senke handelte, die seit der frührömischen Zeit durch alle Epochen bearbeitet und zur Wasserentnahme genutzt worden war. Zeitweise war der Quellteich in zwei Becken unterteilt, wobei sich die Quellöffnung im östlichen Becken befand. Das westliche Becken wurde über eine Keramikleitung mit Wasser versorgt. Nachdem der Teich schließlich verschlammt und verschmutzt war, wurde in der osmanischen Zeit ein brunnenähnlicher Schacht hinzugefügt, durch den Wasser aus der Tiefe des Teiches an die Oberfläche gezogen werden konnte. Die Datierung dieser Quelleinbauten ist durch Radiokarbonproben gesichert. Gemeinsam mit Stefan Dreibrodt (Universität Kiel) wird nach der Kampagne im Frühjahr 2026 eine archäologisch-naturwissenschaftliche und bodenkundliche Analyse des Gesamtbefundes vorgelegt.
Diese überraschenden Ergebnisse lassen mehrere Fragen aufkommen: Warum verlegte man den Schöpfbereich einer artesischen, stets reichlich Trinkwasser abgebenden Quelle im ersten Jh. v. Chr.? Und warum an diese Stelle? Warum nutzte man das alte Wasserentnahmesystem nicht weiter, wo doch durch die Bronze- und Eisenzeit durchgängig Wasserableitungen auf dem Tell nachgewiesen sind - also ein funktionierendes System des Wassermanagements bestand?
Bei künftigen geophysikalischen Untersuchungen auf dem Tall steht zunächst die Frage im Vordergrund, wo der Quellbereich der Bronze- und Eisenzeit lag. Bisher sind nur vage Hinweise bekannt.
Aufarbeitungskampagne 2026
Die Funde vom Herbst 2025 wurden vom 26. März bis 16. April 2026 aufgearbeitet. Die Kampagne musste wegen des Israel/Iran-Krieges im Amman stattfinden.
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Projektpartner |
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Biblisch-Archäologisches Institut Wuppertal (BAI) |
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Schirmherrschaft |
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His Royal Highness Prince El Hassan bin Talal übernimmt als Vertreter des Könighauses die Schirmherrschaft |
Freunde und Förderer |
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Kooperationspartner |
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Wir arbeiten mit vielen Hochschulen, Instituten und Firmen vertrauensvoll zusammen. ![]() |


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