Survey im Wadi al'Arab

Vom 28. Juli bis zum 15. August wurde ein Survey im Wadi al'Arab und seiner Umgebung durchgeführt. Dieser Survey ist ein integraler Bestandteil des „Gadara Region Project". Er untersucht das Hinterland des Tall Zira'a mit dem Ziel, ein umfassendes Verständnis der Landschaft zu bekommen, in der der Tall Zira'a die herausragende archäologische Stätte ist. Kernpunkte einer solchen Untersuchung sind Fragen zu Struktur und Verteilung von Siedlungen, deren Beziehungen und relative Bedeutung über die Zeiten. Darüber hinaus ist das Wadi al'Arab einer der am leichtesten passierbaren Anstiege vom Jordantal zum Irbid-Ramtha-Becken und war daher Teil der Handelsrouten von der Küste des Mittelmeers nach Damaskus, Mesopotamien oder Amman. Fragen nach den tatsächlichen Handelswegen durch dieses Gebiet und ihrer wechselnde Bedeutung tun sich auf. Der Survey ist auf Belege ausgerichtet, die zur Beantwortung dieser Fragen beitragen. Dazu ist es unerlässlich über die Ortslagen im Wadi und seiner Umgebung möglichst genaue und aktuelle Informationen zu ermitteln.

Schon mehrfach wurden im Wadi al'Arab Surveys durchgeführt (Nelson Glueck 1942, Siegfried Mittmann 1963-66 und J.W. Hanbury-Tenison 1983). Obwohl sie alle wertvoll sind und reiche Informationsquellen darstellen, können sie im Hinblick auf Vollständigkeit und Detailgenauigkeit die Anforderungen des "Gadara Region Projects" nicht erfüllen. Die beiden älteren Surveys hatten ein viel weiteres Gebiet im Blick und erfassten daher nur die größeren Ortslagen im relevanten Bereich. J.W. Hanbury-Tenisons Survey beschränkte sich in seiner Detailgenauigkeit auf zwei Bereiche und deckte nicht das ganze Wadi al'Arab ab. Im Übrigen liegt der Survey nun eine Generation zurück, so dass es angemessen scheint, einen frischen Blick auf alle vorliegenden Daten zu werfen. Zumal auch durch die kontinuierliche Arbeit am "Gadara Region Project" eine wesentlich genauer ausgearbeitete Stratigrafie und Typologie vorliegen.

Mit dem Wissen aus den früheren Surveys und dem Ziel das gesamte Umland des Tall Zira'a im Wadi al'Arab zu erkunden, wurde die zweifache Herangehensweise gewählt: Einerseits die bekannten Stellen wieder zu besuchen und genauere Informationen über sie zu sammeln, andererseits die Lücken der früher nicht untersuchten Areale zu schließen. Für diese Untersuchungen zur Landschaftsarchäologie sind drei Kampagnen zu je drei Wochen vorgesehen. Der diesjährige Survey war davon der erste im Rahmen des "Gadara Region Project" nach der Erkundung durch Dieter Vieweger 1999.

Eine der oberschlächtigen Mühlen

In der Kampagne 2009 wurden 78 Ortslagen aufgezeichnet, davon waren 30 bisher noch nicht bekannt bzw. publiziert. Mehr als 80 % gehören zur Klassischen Epoche, die anderen zur Bronzezeit, Eisenzeit und verschiedenen Islamischen Perioden. Fundstellen aus der Steinzeit wurden nicht entdeckt. Die großen Tells „Kak" und „Kinise" wurden wieder besucht. Eingeschlossen wurde auch die Gegend um den Wadi Arab Damm, die teilweise von Kerestes (1978) und Hanbury-Tenison (1983) untersucht worden war. Darüber hinaus wurden die Hänge des Wadi al'Arab vom Tall Zira'a aufwärts bis in die Gegend von Seidur und Doqara erkundet. Der größte Teil diese Gebietes war vorher nicht im Detail untersucht worden. Während Seidur und Doqara von Mittmann erwähnt wurden, entdeckten wir in deren Umgebung viele Stellen, die ein neues Licht auf die landwirtschaftliche Eigenversorgung der Siedlungen werfen.
Die nördlichen Hänge des Wadi, direkt oberhalb des Tall Zira'a zeichnen sich durch ein dichtes Auftreten von Quellen aus. Mit diesen hängen viele der aufgefundenen Ortslagen zusammen, was aufschlussreich sein kann für das römische Wassermanagement in der Region.

Eine kleine Ortslage vom Tall Zira'a aus direkt auf der gegenüberliegenden Seite des Wadi muss besonders erwähnt werden. Sie ist zuerst 1978 von Kerestes publiziert worden (site 2 in Wadi al'Arab) und wurde als mittelbronzezeitlich datiert. Ihre Position bezieht sich direkt auf den Tall Zira'a. Zusammen kontrollieren sie eine schmale Passage des Wadi und es gibt natürlich eine direkte Sichtverbindung. Nur 50 Meter weiter hangaufwärts wurde eine andere, bisher unbekannte/unpublizierte Stelle mit römischen Architekturresten gefunden. Diese Stelle hat nicht nur den Blick über das Wadi, wie die nahe gelegene ältere, sondern auch die direkte Blickverbindung nach Gadara, die an der tiefer gelegenen Ortslage fehlt. Dies gibt uns einen Hinweis auf die Verlagerung der Zentralsiedlung vom Tall-Zira'a nach Gadara in der Römischen Epoche.

Im Wadi al'Arab wurden oberhalb des Tall Zira'a fünf oberschlächtige Mühlen sowie zwei Staumauern verzeichnet. (Hanbury-Tenison erwähnte nur drei Mühlen.) Alle sind in die osmanische Zeit zu datieren.

Der Survey wird im Sommer 2010 fortgesetzt.

Probleme

Ein wichtiges Ergebnis beim erneuten Besuch der bereits publizierten Ortslagen war die Beobachtung von starken Zerstörungen an vielen Stellen währen der letzten Jahrzehnte. Die rasante Zunahme des Verfalls ist alarmierend. Noch vor kurzem ist ein großer Tell mit römischer, byzantinischer und islamischer Besiedlung (Nr.26 im Hanbury-Tenison Survey) durch Bulldozer völlig zerstört worden. Mehrere kleinere Stellen wurden durch landwirtschaftliche Aktivitäten zerstört. Vor allem Olivenpflanzungen versetzen die antiken Ortslagen in einen nicht wiedererkennbaren Zustand.

Aus diesen Beobachtungen leiten die Mitglieder des "Gadara Region Project" die ernste Verpflichtung ab, den Survey nicht nur als notwendige Ergänzung zu einer Ausgrabung durchzuführen, sondern auch um Informationen über die Geschichte des Wadi al'Arab zu bewahren, die in naher Zukunft verloren sein werden.

Projektpartner

Biblisch-Archäologisches Institut Wuppertal   (BAI
Deutsches Evangelisches Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes   (DEI)

mehr >>

Schirmherrschaft

His Royal Highness Prince El Hassan ibn Talal übernimmt als Vertreter des Könighauses die Schirmherrschaft

mehr >>

Freunde und Förderer

  • Kulturhilfe des Auswärtigen Amtes der BR Deutschland
  • Kirchliche Hochschule Wuppertal
  • Deutsches Archäologisches Institut

weitere Förderer >>

Kooperationspartner

Wir arbeiten mit vielen Hochschulen, Instituten und Firmen vertrauensvoll zusammen.

mehr >>