6. Ausgrabungskampagne Sommer 2008

Die Sommerkampagne auf dem Tall Zira'a dauerte 2008 vier Wochen. Zwei Wochen waren der Fundaufarbeitung reserviert und zwei weitere der archäologischen Arbeit auf dem Tall. Während der beiden Wochen der Fundaufarbeitung im Grabungshaus von Umm Qais stand ein großes Ereignis auf dem Programm: Am 16. Juli 2008 wurden von Prof. Dr. Dr. Dieter Vieweger und Dr. Jutta Häser 250 auf dem Tall Zira'a gefundene Objekte dem jordanischen Antikendienst übergeben. Die feierliche Übergabe fand unter Beteiligung ihrer Königlichen Hoheit, Prinzessin Sumaya bint El Hassan, des Generaldirektors des Antikendienstes, Dr. Fawwaz al-Khraysheh, des Direktors des jordanischen Nationalmuseums, Dr. Faris Nimri, des neu ernannten deutschen Botschafters, zahlreicher Kollegen und verschiedener jordanischer und internationaler Institutionen sowie Pressevertretern statt.
Der Vater von HRH Prinzess Sumaya, Seine königliche Hoheit Prinz Hassan, ist Schirmherr der Ausgrabungen auf dem Tall Zira'a.


Die Ausgrabungskampagne erstreckte sich vom 19. Juli bis zum 2. August 2008 und hatte vor allem das Ziel, die in Areal III vermuteten Reste eines Römisch-Byzantinischen Gebäudekomplexes zu erkunden. An der Grabung nahmen neben den beiden Direktoren teil: Dr. Ulla Rothe (Universität Edinburgh), fünf Mitarbeiter/innen des BAI Wuppertal, einige Archäologen von verschiedenen deutschen Institutionen, eine Lehrkursteilnehmerin, zwei Studentinnen der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, zwei Studenten der Universität Edinburgh, eine Gruppe von Architekturstudenten und -studentinnen der FH Köln mit ihrem Professor sowie 15 arabische Arbeiter aus dem nahegelegenen Dorf Umm Qais.

In sommerlicher Hitze ergruben die Mitarbeiter mehrere Strata in Areal III, dessen älteste freigelegte Baustufe tatsächlich ein byzantinischer Baukomplex ist. Er besteht aus einem Hof mit teilweise intaktem Mosaikfußboden und einigen angrenzenden Räumen. Unter dem Hof befindet sich eine ca. 12 x 6 x 5,75 m große Zisterne, deren Öffnung im Hof liegt. Das Gebäude war später repariert und in omayyadischer sowie in jüngerer islamischer Zeit mindestens dreimal überbaut worden. Scherbenfunde weisen auf eine teilweise intensive Nutzung in der Mamelukenzeit hin. Unter den Architekturbefunden ragt neben der byzantinischen Torkonstruktion im Süden der Ausgrabungsfläche und dem genialen Regenwassersammler im Hofbereich besonders eine Kornmühle aus jüngerer Zeit im östlichsten Teil der Grabungsfläche heraus.

Das bis auf 600 qm geöffnete Gelände erwies sich allerdings als viel zu klein, um derzeit genaue Aussagen über die Baustrukturen der einzelnen Strata machen zu können. Weitere Ausgrabungen werden in den begonnenen Quadraten neben der Stratigrafie vor allem die bauliche Ausstattung der jeweiligen Strata erforschen. Anschließend müssen wir die Ausgrabungsfläche mindestens verdoppeln, um das Ausgrabungsziel in Areal III zu erreichen. Dafür werden die Jahre 2009-2011 in den Blick genommen.


Vorbereitungsarbeiten für die folgenden Ausgrabungen im Frühjahr 2009 wurden außerdem in Areal I durchgeführt. Während in AE 116 das eisen-I-zeitliche Silo abgebaut wurde und in dessen Innerem ein (kultisch?) benutztes Haus in Krugform aus Keramik gefunden wurde, mussten die noch hoch aufragenden, mit Kalkestrich versiegelten Lehmziegelwände in AE 115 abgebaut werden. Der zu erwartende Frühjahrsregen 2009 würde diese Wände sonst in eine betonharte Masse auf dem Fußboden der in diesen Square erreichten Spätbronzezeit verschwimmen lassen. Beim Abbau der Begehungsebene des Hofes AF/AG 116 wurde unterhalb des jüngeren spätbronzezeitlichen Stratums ein zweiter steingemauerter Siloschacht gefunden. Die Konstruktion, die im jüngeren spätbronzezeitlichen Stratum vergleichbar aufgefunden und bis auf eine Tiefe von 2,60 m ausgegraben wurde, diente möglicherweise im mittleren Spätbronzestratum als Silo für Getreidelagerungen. Allerdings sind auch andere Interpretationen denkbar. Unter den Funden aus diesem Silo ragt neben einem präzis gearbeiteten Keulenkopf die in zwei Teile gebrochene bemalte ägyptische Fayencefigurine in der Form eines Uschebtis heraus.

Stand der Information: 2008

AKTUELLER HINWEIS (2017)

 

Ausführlich werden die Ergebnisse

der Grabungskampagnen von 2003 bis 2011

in der Endpublikation dargestellt.


Projektpartner

Biblisch-Archäologisches Institut Wuppertal   (BAI
Deutsches Evangelisches Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes   (DEI)

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Schirmherrschaft

His Royal Highness Prince El Hassan ibn Talal übernimmt als Vertreter des Könighauses die Schirmherrschaft

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Freunde und Förderer

  • Förderverein DEI
  • Universität Wuppertal
  • Deutsches Bergbaumuseum Bochum

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Kooperationspartner

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